Bach

Last update Sonntag, 02 Februar, 2014
Version 4.0 - Optimized for 768x1024

1. Über den Bach’schen Stammbaum
2. Aus dem musikalischen Leben im alten Öhringen
 

Über den Bach’schen Stammbaum
Claus Vater, Emil Ludwig, beschäftigte sich bereits mit der Ahnenforschung. In diesem Zusammenhang ist er 1967 auf eine interessante Lektüre gestoßen:

Im Heft Nr. 2 der "Schwäbische Heimat" vom Juni 1967 erschien eine Abhandlung

"Aus dem musikalischen Leben im alten Öhringen". (siehe auch weiter unten)
Darin wird geschildert, dass Johann Heinrich Bach (ein Neffe von Johann Sebastian Bach) in zweiter Ehe (die erste blieb kinderlos) neun Kinder zeugte. Nur zwei überlebten. Die Tochter Dorothea Sophia Wilhelmine Bach heiratete am 29.11.1774 den Präceptor Gottfried Sallmann. Dieser war, wie bereits sein Schwiegervater Organist an der Öhringer Stiftskirche. Beide sollen als tüchtige Komponisten tätig gewesen sein. Leider ist von diesen Arbeiten nichts mehr vorhanden.

Wer weitere Informationen dazu haben sollte, bitte an Claus wenden!

Hier der Auszug des Sallmann-Bach’schen Zweiges:

(Die Daten in der Tabelle und für den darausfolgenden Stammbaum wurden nach besten Wissen und Gewissen zusammengestellt.)

Hier geht es zu einem lesbaren Stammbaum!

Der tabellarische Datensatz:                                             Last Update: 26.03.03

Ahnen-Nr

Vorname

Nachname

Geburtsdatum

Geburtsort

Sterbedatum

Sterbeort

1AC

August Johan Fr.

 

05.05.1781

 

23.07.1781

 

 

Dorothea Sophia Carolina

Bach

 

 

13.03.1797

 

 

Johann Heinrich

Bach

04.08.1707

 

1782

Oehringen

 

Anna Maria Magdalena

Oesterlein(?)

10.01.1777

 

 

 

1Ab

Frieda Luisa Henrika

Sallmann

06.08.1779

 

23.07.1781

 

1AF

Friedrich Ludwig Ernst

Sallmann

13.09.1785

 

01.10.1785

 

1

Georg Heinrich

Sallmann

~1720

Kuenzelsau

 

 

1A

Gottfried Ernst

Sallmann

14.11.1748

 

02.01.1807

 

1AG

Johann August Gottfried

Sallmann

24.05.1787

 

09.05.1788

 

1AD

Johann Carl Heinrich

Sallmann

02.01.1783

 

 

 

1AK

Johann Xtian Albrecht

Sallmann

09.03.1803

 

28.11.1819

 

1Ae

Johanna Elenora Leop.

Sallmann

10.07.1784

 

29.08.1784

 

1AA

Ludwig Karl Heinrich

Sallmann

11.03.1777

 

02.06.1796

 

1Ah

Luisa Sopia Regina

Sallmann

11.08.1790

 

28.Xbr.1795

 

1Ai

Luise Christina

Sallmann

22.11.1798

 

06.06.1814

Neuenstein

1Aj

Sophia Rosina Ernestine

Sallmann

04.01.1801

 

?

 

 

Marie Lucie

Schauer

 

 

 

 

 

 

Seiler

 

 

 

 

 

Susanna Maria

Sommer

04.11.1711

 

 

 

 

 

Unbekannt B. 1

 

 

 

 

[Top]

Aus dem musikalischen Leben im alten Öhringen

von Ernst Seeger

Ein Bericht des 18. Jahrhunderts rühmt Öhringen als musikfreudige Stadt. Günstige Voraussetzungen hierfür waren die an alte Traditionen anknüpfende Musikpflege in den Schulen und vor allem die Foerderung durch das Hohenloher Fürstenhaus.
Die Anfänge einer geregelten musikalischen Unterweisung der Jugend sind zu suchen in der mit dem Chorherrnstift verbundenen Stiftsschule, die urkundlich erstmalig 1234 erwähnt wird. Unter den zwoelf Chorherren befand sich ein Scholasticus oder „rector scholarum", der mit den Schülern bei Prozessionen zu singen und den Chor beim Gottesdienst zu „regieren" hatte.
Nach der Einführung der Reformation in Hohenlohe entstanden in Öhringen die „teutsche" (Volksschule) und die lateinische Schule, die nun gemeinsam den Kirchengesang zu versehen hatten.
In der Schulordnung vom Jahre 1596 finden wir sehr interessante Einzelheiten über die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste durch die Schüler. Mit einem "Figuralgesang" der lateinischen Schule wird der Gottesdienst musikalisch eingeleitet, die deutsche Schule übernimmt den Psalmengesang vor und nach der Predigt, sowie den Gesang während der Austeilung des Abendmahls. Bei der "Katechismuspredigt" werden nach dem lateinischen Gesang der Lateinschüler von den Volksschülern die Katechismuslieder: „Dies sind die heiligen 10 Gebote", „Wir glauben all an einen Gott" und „Vater unser im Himmelreich" gesungen. Eine in Öhringen gedruckte Sammlung „geistlicher Kantaten über die Sonn und Festtagsevangelien" beweist, daß die Gestaltung der Gottesdienste in ähnlicher Weise erfolgte wie in Leipzig zur Zeit Johann Sebastian Bachs Diese kirchenmusikalischen Aufgaben lassen vermuten, daß in beiden Schulen viel Wert auf den Gesang gelegt wurde und eigens dafür gebildete Schülerchoere bestanden haben müssen.
In der „Instruktion für die Schullehrer der Hochfürstlichen HohenloheNeuensteinschen Lande" wird ausdrücklich in einem Kapitel auf die Kirchenmusik eingegangen. Wir lesen da: „Wo an Sonn- und Feiertagen in den Städten Kirchenmusik eingeführt ist, wird in den Schulen Unterricht im "Singen nach Noten" gegeben, auch das Violinspiel soll (allerdings außerhalb der Schulzeit und gegen Bezahlung) gelehrt werden."
Und der Tagesplan der "Stipendiatenordnung von 1584, einer gemeinnützigen Einrichtung der Grafen zu Hohenlohe zur Foerderung begabter unbemittelter Knaben" sieht vor, daß die Zoeglinge in ihrer Freizeit nach dem Mittagessen „spazieren gehen, singen, Zither und Laute spielen und schoene Sprüche repetieren sollen".
In diesem Zusammenhang sei noch auf einen Brauch eingegangen, der sich im Lauf der Jahrhunderte aus diesen Gegebenheiten heraus eingebürgert hatte:

 

„Das 'Weihnachten und Neujahrssingen der Lateinschüler“

Vier Wochen vor dem Fest, so lesen wir in einem Bericht, wurde mit den Vorbereitungen begonnen: Täglich fand von 12 bis 1 Uhr eine Singstunde statt, und für den einübenden Kantor war das eine große Belastung, da um 2 Uhr schon wieder der Nachmittagsunterricht begann. Am Heiligen Abend und an Neujahr zogen dann die Schüler des Gymnasiums in der Tracht der Stipendiaten, der sogenannten „schwarzen Öhringer Kleidung aus Tuch" (bestehend aus Hose, Wams und Umhang) von Haus zu Haus, um die geforderten „Arien und Chorä!e" vorzutragen. Im Öhringer Volksmund wurde dieses Weihnachts und Neujahrssingen das "Paupersingen" genannt. Pauper (= arm) bezog sich auf die bedürftigen Stipendiaten, denen ein Teil der bei diesem Singen freiwillig gespendeten Gaben zufloß.
In den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts bestand allerdings die Gefahr, daß dieser alte Brauch, an dem die Öhringer Bürger sehr hingen, aufgegeben werden sollte. Der Unterrichtsausfall bei den Vorbereitungen erschien den Lehrern nicht verantwortbar, auch wollte man nicht mehr die Mühen des anstrengenden Dienstes auf sich nehmen. Den Bemühungen des verantwortlichen fürstlichen Beamten ist es allerdings doch gelungen, durch einen Kompromißvorschlag die Sache zu retten. Der aus diesem Anlaß an den Fürsten gerichtete, vom 19. Dezember 1796 datierte Bericht ist noch vorhanden und als kulturgeschichtliches Zeitbild wert, hier wiedergegeben zu werden. Er lautet: „Das von Jahrhunderten her gewoehnliche Weihnachts und Neujahrssingen der Lateinschüler wird in den Anlagen fast in ein übertrieben gehässiges Licht gesetzt, obwohl nicht zu leugnen ist, daß es dem Studieren und der Gesundheit der Schüler und ihrer Lehrer nicht vorteilhaft ist. Man ist also auf den Vorschlag als den Mittelweg verfallen, daß der LateinischMusikchor in der Mitte jeder Straße eine Arie oder Choral absingen soll, welcher für alle benachbarten Einwohner gelte, und darauf durch einen Schüler die freiwilligen Gaben derselben ablangen ließ. Ich zweifle nicht, die honoratiores werden wie bisher ihr Gewoehnlich abgeben, und ich hoffe, daß viele vernünftige Bürger ihr gleiches tun werden. 'Übrigens wird gut sein, wenn die Bürgerschaft vorher durch die Viertel- und Rottmeister von der guten Absicht dieser Einrichtung benachrichtigt und zur Abreichung des Gewoehnlichen ermuntert wird. Das Geld, das der LateinischWeihnachtschor durch seinen Gesang bekommen hat, beträgt ungefähr 120 Gulden. Die Austeilung derselben geschah wie folgt: Herr Rektor Eggel bekommen 15 fl, Herr Präzeptor Ernst 20, fl, Herr Präzeptor Beier 20 fl, Herr Präzeptor Neithardt, des Direktori wegen 25 fl, die Schüler miteinander 35 fl, vor die Laternen, Lichter etc. 5 fl, Summa = 120 fl."

 

Die Orgel von 1732 und der nette Kantor und Organist Johann Heinrich Bach

Ein großes Ereignis für die Kirchengemeinde Öhringen war der 4. Mai 1732, an dem die von dem Orgelbauer Joh. Chr. Wigleben aus Willmersdorf bei Nürnberg in den .Jahren 1731/32 erbaute Orgel eingeweiht wurde. Der damalige Stadtpfarrer Georg Philipp Boeheim hatte aus diesem Anlaß ein „troestliches Jubilate" verfaßt, das vertont und im Festgottesdienst gesungen wurde. Die fünfte Strophe schließt folgendermaßen:

„MusenChor, nimm deine Lieder,
schlaget, geiget, werte Brüder,
pauket, blast in vollem Schall,
laßt, es gehn zu Gottes Ehren!
Und wir singen allzumal:
Herr, laß hier dein Lob vermehren!"

Besonders reizvoll ist das musikalische Rätsel auf Seite 4, das in barocker Manier die Orgel beschreibt.

Es lautet:

„Bin ich gleich jetzund todt/bestehet doch mein
  Wesen: (a)
all mein Gebeine (b) sind ohn Adern/Fleisch und
  Haut/

Und bleibt jedoch ein Leib. Mein Geist ist aus-
  erlesen/

Er geht durch alles (c) durch/auch alles er beschaut.
Hab weder Zung noch Mund/und sprech doch alles
  nach.

 

a L E G R O (d) heist mein Nam.
Nun rath/was ich seyn mag?"

(a) Die gantze Hoehe des Wercks bestehet in 30 Schuhen, die Breite aber in 27 Schuhen.
(b) Sind 1700 Pfeiffen, sowohl zinnerne als Hoeltzerne. Von denen Zinnernen ist die groeste 10 und einen halben
Schuh hoch; die Hoeltzerne 16 Schuh, deren zusammen nur 110 sind, die übrige alle Zinnerne.
(c) Durch 26 klingende Register, und durch 6 NebenZüge.
(d) Ruckwärts : O R G E L.

Nach seiner Disposition muß es ein klangschoenes Werk gewesen sein, das der heutigen Walckerorgel an Groeße gleichkam. Schmerzlich ist, daß das prächtige barocke Orgelgehäuse bei der Kirchenrenovierung 1888 durch ein sehr nüchternes neugotisches Gehäuse ersetzt und (nach mündlicher Überlieferung) nach Amerika verkauft wurde. Die noch im Neuensteiner Archiv vorhandene Zeichnung von Georg Peter Schillinger zeigt den ganzen Reichtum barocker Gestaltungskunst.
Auf dieser Orgel spielte Johann Heinrich Bach, der Neffe des großen Johann Sebastian Bach. Nach dem Tode des Vaters weilte er in den Jahren 1724 bis 1728 in Leipzig. Er wohnte im Hause des Oheims, gehoerte demnach zum engeren Familienkreis und war Sebastians Zoegling, der ihm eine gediegene musikalische Ausbildung vermittelte. So konnte Johann Sebastian die Wohltaten, die er einstens bei seinem ältesten Bruder in Ohrdruf genossen hatte, an dem Sohne vergelten.
Zwischen den Herrschaften Hohenlohe-Gleichen-Ohrdruf und Hohenlohe-Öhringen bestand ein reger Austausch der beiderseitigen Angestellten in Schule, Kirche und Staat. So kam Johann Heinrich Bach von Ohrdruf nach Öhringen, wo er 1735 als Adjunkt (Stellvertreter) des in Ruhestand gegangenen Präzeptors Plank angestellt wird. Nach dem Ableben seines Vorgängers rückte er zum Präzeptor der "Teutschen Schule" auf, erteilte aber gleichzeitig noch am Gymnasium den Unterricht in Redeten, Schreiben und Musik. Gleichzeitig war er Organist an der Öhringer Stiftskirche. Wibel, sein Zeitgenosse, rühmt ihn als einen „besonders geschickten Musiker". Wir dürfen annehmen, daß er auf dieser neuen Orgel manches Werk seines Oheims gespielt und manche Kantate in der Kirche zur Aufführung gebracht hat. Daß er selbst, der Kantorenpraxis seiner Zeit entsprechend, auch komponiert hat; ist außer Zweifel. Leider ist von seinen Kompositionen nichts mehr vorhanden.
Aus zwei Eingaben an die gräfliche Verwaltung aus den Jahren 1739 und 1740 ist zu ersehen, daß er wegen seines kargen Gehaltes schwer zu kämpfen hatte. Seine Besoldung bestand (neben „Früchten und Wein") aus 40 Gulden, ,;worunter 10 Gulden mit dem Weihnachts und Neujahrssingen recht säuerlich verdient werden mußten"(!)
Johann Heinrich war zweimal verheiratet. Die erste Ehe blieb kinderlos, von den elf Kindern der zweiten Ehe starben neun im Kindesalter, nur zwei Toechter wuchsen heran: Dorothea Sophia Wilhelmina und Louisa Elisabetha Felicitas. Dorothea heiratete am 29.11.1774 den Amtsnachfolger Heinrich Bachs, den Präzeptor Gottfried Sallmann. Dieser Schwiegersohn pflegte das Erbe Bachs in Öhringen weiter, wir begegnen auch ihm als tüchtigen Komponisten. Johann Heinrich Bach starb im Jahre 1783. Der Eintrag im Totenbuch lautet: „Herr Johann Heinrich Bach, rededonierter Lehrer der deutschen Schule, begraben den 20. Mai, alt 75 Jahre, 9 Monate 14 Tage"
Der kraftvolle Kulturwille des 18. Jahrhunderts manifestierte sich auch in der regen Bautätigkeit der damaligen Zeit. So erstand in Öhringen unter anderem 1743 der Theaterbau im fürstlichen Hofgarten. Das z. Stockwerk enthielt bis in die jüngste Zeit herein einen entzückenden kleinen Theatersaal. Logen, Bühne, Kulissen, verstaubte Notenständer ließen Bilder aufsteigen aus einer Zeit, in der hier gesellschaftliches und musikalisches Leben pulsierte. Mit dem Übergang der Herrschaft Hohenlohe an Württemberg verlor Öhringen seine Bedeutung als fürstliche Residenz. Es wurde still in diesen Räumen und alles versank in Dornroeschenschlaf.

[Top]