Die frühe Geschichte von Sallmannshausen

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Die frühe Geschichte von Sallmannshausen
von Claus Bernhardt, Freiberg

 

1. Einleitung
Sallmannshausen liegt an einem der beiden nordwestlichen Ausläufer des Thüringer Waldes (der hier Hardt und Böller genannt wird), am rechten Ufer der Werra. Hier beginnt der Sallmannshäuser Rennsteig (S), der in der Nähe von Ruhla mit dem in Hörschel beginnenden Rennsteig (R) zusammentrifft. Auf der anderen Werraseite befindet sich mit dem Bielstein der südöstliche Ausläufer des Weserberglandes. Hier unterhalb des Bielstein stößt die Hessisch-Thüringische Landesgrenze auf die Werra, die dann in deren Mitte in Richtung Osten weiterverläuft. Die unmittelbare Nähe zu dieser innerdeutschen Grenze war lange DDR-Jahre hindurch schicksalhaft für Sallmannshausen.

Aber schon in seiner frühen Geschichte mag diese Lage zu einer besonderen Bedeutung von Sallmannshausen geführt haben. Denn kurz unterhalb der Sallmannshäuser Mühle gab es jahrhundertelang eine Furt durch die Werra. Auch das Übersetzen mit einer Personen-Fähre war möglich; der Name "Ibberföhrt" (= Überfahrt) und das "Gasthaus zum Schiff" zeugen noch heute davon.

Im Folgenden sollen einige Abschnitte aus der frühen Sallmannshäuser Geschichte behandelt werden. Dabei beschränkt sich die Darstellung auf die Zeit vor etwa 1700.

 

2. Namensursprung und erste Erwähnungen
Die großen geschichtlichen Ereignisse haben um dieses Gebiet des Werratals keinen Bogen gemacht. Einige von ihnen spiegeln sich in den Sagen der Region wieder. So findet man aus der Zeit der Christianisierung eine entsprechende Sage in [1]. Sie heißt "Der heilige Kreuzstein bei Sallmannshausen" und berichtet von einer Bekehrungsszene an dieser Stelle (Ortsausgang nach Lauchröden). Dabei wird ein Prediger von den einheimischen Versammelten gewaltätig bedroht, aber durch ein Wunder in einen alten Baum entrückt. Später errichtete man der Sage nach dort ein Denkmal, woraus sich die noch heute übliche Bezeichnung "Heil' Kritz" erklären soll.

Eine andere Sage heißt "Zweite Sage vom Bielstein" [1] und berichtet von der Anwesenheit eines Frankenheeres und eines Wenden-/Slawenheeres, die sich in Sallmannshausen gegenüberstehen. Der Ritter Salmann und die Wendentochter Biela verlieben sich verbotenerweise und müssen sich einem Gottesurteil unterwerfen. Ihre wundersame Errettung bekehrt die Slawen zum Christentum und führt zur Vermählung der beiden. Sie bleiben am Werraufer wohnen; Bielstein und Sallmannshausen bekommen von ihnen die Namen.

Abweichend von dieser schönen poetischen Namensgebung kann man annehmen, daß der Name Sallmannshausen mit dem Wort Sala, dem mittelalterlichen Recht der Grundstücksübertragung zusammenhängt. Salmänner waren die Treuhänder des Mittelalters, sie verwalteten vakante Besitztümer, waren Testamentsvollstrecker, Schirmherrn und Vögte. Möglicherweise hat ein solcher Salmann die Furtstelle treuhänderisch verwaltet und sein Haus oder seinen Hof dort gehabt, was die spätere Namensgebung nahelegt.

Aus dem Jahre 1144 existiert eine Urkunde, in der der Mainzer Erzbischof dem Besitzer der Burg Brandenburg, Wigger von Wartberg, das Patronat über die Lauchröder Kirche St. Martin verleiht [2]. Es ist dies gleichzeitig die Urkunde der Ersterwähnung des Ortes Lauchröden. Die Kirche von Lauchröden wird damit zu einem selbständigen Zentrum der kirchlichen Angelegenheiten in dieser Region, denn das Patronat erstreckte sich auch auf die Dörfer, in denen der Lehnsherr Besitzungen hat. In diesem Falle dürften das u.a. die Dörfer Neuenhof, Göringen, Unterellen, Herda und Sallmannshausen sein.

 

Über die Ersterwähnung von Sallmannshausen gibt es folgende drei zeitlich dicht beieinanderliegende Urkunden:

Urkunde von 1228

E.G.Franz: Kloster Haina. Regesten und Urkunden. Bd.I: 1962 [3]

Urkunde von 1240

Urkunde von 1263

 

Thüringisches Staatsarchiv Gotha, Sign.ThStAGo, Geheimes Archiv QQ Ic Nr.12(6) [4]

Die ersten beiden Urkunden stammen aus dem im Jahre 1216 gegründeten Kloster Haina (bei Marburg); sie wurden 1962 von E.G. Franz als Regesten herausgegeben [3]. Die Urkunde von 1228 ist das bis jetzt bekannte älteste schriftliche Zeugnis, das den Ort Sallmannshausen erwähnt. Die nachfolgende Wiedergabe entspricht dem Regest nach [3]:

44                                       Hersfeld 1228 Juli 10

Abt Ludwig von Hersfeld erteilt Abt und Konvent zu Haina auf deren Bitten die Genehmigung zum Erwerb von Hersfeld zustehenden Gütern im Sprengel (infra terminos) der Pfarrei Grüsen (Grusen), durch Kauf oder Tausch, jetzt oder künftighin; Haina hat dem Kloster Hersfeld dafür jedoch jährlich zu Mariae Geburt [Sept. 8] 6 Pfund Wachs zu liefern, von denen 3 dem Kustos, 3 dem jeweiligen Abt zukommen. – Zeugen: Johann, Stiftspropst; Hermann, Gästemeister (hospitalarius); Ulrich, Pleban zu Hersfeld; Giso Propst, Gunther Dekan, Hebabold Scholaster zu Ohrdruf (Ordorfenses); Albert, Stiftsherr zu Fritzlar; Eckehard Pleban zu Momberg (Mumenberc); Heinrich Truchseß, sein Bruder Giso, Volkhard von Sallmannshausen (Salmannes), Laien. – Data in Hersvelt a. gr. 1228, indictione 1., 6. idus iulii [10.7.1228].

 

Bei dem beurkundeten Ereignis geht es um einen Handel zwischen den Klöstern Hersfeld und Haina, bei dem ein Protokoll ausgefertigt wird. Seinen Inhalt bezeugen eine Reihe von Personen, unter anderen ein Volkhard von Salmannes. Der Herausgeber der Regestensammlung, E.G.Franz, gibt leider keine Erläuterung dazu, warum er diese Angabe dem thüringischen Ort Sallmannshausen zuordnet und nicht dem hessischen Salmshausen, der in der Nähe von Ziegenhain (nördlich von Alsfeld) liegt. Beide Namen sind in der damaligen Zeit noch ähnlicher gewesen als heute. Was die o.g. Zuordnung zum thüringischen Sallmannshausen betrifft, so haben wir uns jedoch hier dem Urteil des erfahrenen Historikers zu beugen, der den geschichtlichen Kontext kennt.

Auch die zweite Urkunde von 1240 stammt aus dem Regestenwerk [3]. Seltsamerweise wird sie in [5] als die Ersterwähnungsurkunde von Sallmannshausen bezeichnet, was ja nach [3] nicht zutrifft. Das Regest lautet:

116                                                1240

Abt Werner von Hersfeld übergibt auf Bitten Gerlachs von Ufhausen (Ofhusen) samt Ehefrau und Kindern und seiner Brüder Konrad und Heinrich die Güter zu Sondheim (Sunthem), die sie von ihm und seinen Vorgängern zu Lehen trugen, dem Kloster Haina. Im Austausch dafür haben ihm die Brüder ihr Eigentum im Dorf Dinkelrode (Tichenrod) unter den bisherigen Bedingungen zu Lehen aufgetragen. – Zeugen: Bruder Werner, vordem Graf zu Battenberg (Battenburg); Konrad von Hörnsheim (Herlesheim), Klosterkellner zu Haina; Simon, Gästemeister [zu Hersfeld]; Bruder Gerlach Wysterscele; Wigand von Beenhausen (Beenhusen), Herden von Sallmannshausen (Salmanneshusen). – Siegler: der Austeller. – Acta sunt hec. a. gr.1240.

Die an dritter Stelle genannte Urkunde von 1263 wurde vor einiger Zeit komplett neu entschlüsselt und übersetzt [4]; ihren Inhalt kann man in der Art der o.g. Regesten wie folgt zusammenfassen:

Graf Burghard von Brandenburg bei Lauchröden (Brandenberg) hatte 1258 den Nonnen des Gothaer Zisterzienserklosters zum Heiligen Kreuz seine bei Goldbach (Goldpach) gelegenen Ländereien vermacht oder verkauft. Darüber war es zum Streit gekommen. Durch Verhandlungen wurde ein Vergleich erzielt, demzufolge die Nonnen noch einmal 12 Mark Silber und eine Reihe von Naturalien zu zahlen hatten. Darüber wurde diese Urkunde ausgefertigt. Zeugen: Giselher von Oberellen (Ellende), Hermann Priester von Herleshausen (Herleshusin), Friedrich d.J. von Treffurt (Driford), Conrad Ritter von Rode, Erfo von Jochesberg, Berthold von Holzhausen, Th(oderich) von Sallmannshausen (Salmanshusin), Bruno und Mefried von Creuzburg (Kruzeburg). Acta sunt hec anno domini MCCLXIII die Vincencii martiris [22.1.1263].

Bis vor kurzem galt diese Urkunde als die älteste Erwähnung von Sallmannshausen. Das muß nun auf Grund neuerer Erkenntnisse korrigiert werden.

 

3. Frühe Kirchenbauten
Leider weiß man nicht, ob in dieser frühen Zeit bereits eine Kirchgemeinde in Sallmannshausen existiert hat und diese als Filial von Lauchröden betreut wurde. Einleuchtend ist allerdings die Vorstellung, daß in der Nähe der Furtstelle schon sehr früh eine Kapelle stand, wo die Benutzer der Furt ein Gebet verrichten konnten, bevor sie die gefährliche Durchfahrt wagten oder nachdem diese glücklich überstanden war.

Der Altarraum der Sallmannshäuser Kirche, es ist der Teil, der heute den Glockenturm trägt, besitzt ein gotisches Gewölbe und auch andere Einrichtungen deuten auf eine Entstehung in spätgotischer Zeit hin. Dieser Teil ist heute sowohl im Inneren als auch an der äußeren Bauhülle noch sehr deutlich zu erkennen. Die nachfolgende Zeichnung zeigt den Grundriss des heutigen Altarraums, der durchaus als frühere Kapelle vorstellbar ist.

Bild 1: Altarraum der Kirche zu Sallmannshausen, nach [6]

Vielleicht hat das relativ kleine Gebäude (8,5 x 7,5 m) auch einmal ganz anderen Zwecken gedient, denn die Mauerstärke beträgt immerhin 1,1 m. Das Kreuzgewölbe ist zweigeteilt. Heute noch zu sehen sind drei Fenster. Zwei weitere haben sich vermutlich in dem linken, dem heutigen Langhaus zugewandten Teil befunden und wurden später zugemauert. Der Verlauf der Fugen an der Außenmauer läßt jedenfalls eine sehr genaue Lokalisierung dieser Fensteröffnungen zu.

In dem nachfolgenden Foto ist ein zweites gleichgroßes Seitenfenster mit etwas blasserer Farbgebung an der Stelle eingefügt, wo der Fugenverlauf das nahelegt. Sein Scheitelpunkt ist in dieser Position 2,9 m von der ehemaligen SW-Ecke, der jetzt noch deutlich sichtbaren Nahtstelle zum späteren Langhaus, entfernt. Dieselbe Distanz hat das rechte Fenster von der heutigen SO-Ecke.

Auch die Höhe des gotischen Bauwerks läßt sich abschätzen: Man weiß, daß die gesamte Außenmauer ringsum im Jahre 1717 um 4 Schuh (= 1,13 m) aufgestockt wurde. Zieht man diesen Betrag von der Maueroberkante ab, so kommt man an die Unterkante der horizontalen Quaderreihe, das sind heute etwa 5,5 m über dem Erdniveau.

Bild 2 . Kirche zu Sallmannshausen von Süden, heutiges Aussehen
(linkes gotisches Fenster nachträglich in das Foto eingefügt)

Im Altarraum der Kirche befindet sich ein spätgotischer Flügelaltar, dessen Entstehungszeit allgemein um das Jahr 1500 angesetzt wird. Das nachfolgende Foto gibt ihn ausschnittsweise wieder.

Im Mittelkasten sieht man eine Mondsichelmadonna umrahmt von 2 Bischöfen; die Flügel sind zweietagig mit den 12 Aposteln bestückt. Das wertvolle Kunstwerk hat übrigens von etwa 1760 bis 1938 oberhalb des Triumphbogens direkt unter dem Rundbogengewölbe des Langhauses gehangen. In [6] ist ein Foto von etwa 1913 enthalten, das diese Anordnung zeigt und gleichzeitig auch die Vergewaltigung, die man dem Altar für die zwangvolle Anpassung an das Tonnengewölbe angetan hat.

Bild 4: Flügelaltar Sallmannshausen, Zustand 1913

Die beiden Seitenflügel wurden schräg angeschnitten, die äußeren Apostelfiguren wurden entnommen (eine davon ist seitdem verschollen), zwei weitere wurden aus Platzmangel schräg aufgestellt. Auch fehlen die Predella und das Gesprenge. 1938 wurde der Altar restauriert und die ursprüngliche Flügelform wiederhergestellt, die verlorengegangene Apostelfigur wurde durch eine neue ersetzt. Seit 1942 hängt der Flügelaltar an der Nordwand des Altarraums und läßt sich wieder aus der Nähe betrachten. Eine kunstgeschichtliche Studie zu diesem kirchlichen Kleionod, die über das in [3] Gesagte hinausgeht, ist bisher nicht bekannt geworden.

Die Gemeinde Sallmannshausen war zwar klein und war auch jahrhundertelang in mehrfach geteiltem Besitz, die Kirche hatte aber offenbar in dieser frühen Zeit wohlhabende Patrone, die auch in der Lage waren, solche kostbaren Austattungsstücke wie den Flügelaltar zu stiften. Das waren zuerst die Herren von Brandenburg, denen dann die von Reckrodt und die von Herda folgten. Die Letzteren blieben es bis zum Wechsel von Sallmannshausen als Filial von Neustädt im Jahre 1889.

Die Gemeinde war von jeher bis in unsere heutige Zeit hinein zu klein für ein eigenes Pfarramt. Man darf deshalb annehmen, dass sie in vorreformatorischer Zeit wegen des Lauchröder Patronats auch von den Lauchröder Pfarrern seelsorgerisch betreut wurde.

 

4. Kirchengeschichtliches zur Zeit der Reformation
Über die
Beteiligung der Dörfer dieser Region am Bauernkrieg ist nur wenig bekannt. Im Gerstunger Forst versammelte sich im Februar 1525 ein kleiner Bauernhaufen, der durch Zulauf von Bauern aus den benachbarten Dörfern schließlich so mächtig wurde, dass sie den Gerstunger Amtmann Ludwig v. Boyneburg am 23.4.1525 zur Annahme ihrer 12 Artikel zwingen konnten. Sie vereinigten sich mit dem Werrahaufen in Vacha, zogen im April plündernd nach Eisenach und Salzungen, und als sie nochmals im Mai 1525 vor Eisenach standen, wurden ihre Anführer durch arglistige Täuschung gefangen und gefoltert und anderntags hingerichtet. Das hat die Bauern so demoralisiert, daß sie sich zurückzogen und als Werrahaufen zerstreuten. Die Sallmannshäuser Bauern hatten sich offensichtlich aktiv an diesem Geschehen in Thüringen beteiligt, denn nach der Niederschlagung des Bauernkrieges erhielten sie eine Kollektivstrafe von 150 Gulden oder 20 Stück Rindvieh auferlegt (Gerstungen übrigens 500 Gulden oder 40 Stück Vieh).

Über die fast gleichzeitig auftretende Wiedertäuferbewegung, die ja mit dem aus Herda stammenden Fritz Erbe einen nachhaltig wirkenden Vertreter in der Region hatte, sind mir bis jetzt keine weiteren Details bekannt geworden. Erbe wurde 7 Jahre in einem Eisenacher Turm und weitere 8 Jahre im Südturm der Wartburg gefangen gehalten, bis er dort im Jahre 1548 als Märtyrer seiner Überzeugung starb.

Auf Anregung Luthers wurden kurz nach der Reformation sogenannte Visitationen durchgeführt, die zur damaligen Zeit das unmittelbare Ziel hatten, die Reformation mit Hilfe von staatlichen Eingriffen zu befördern und Mißstände abzubauen. Dazu wurden Kommissionen gebildet, die ihre Empfehlungen und Festlegungen in Form von Visitationsprotokollen vorlegten. Im Ernestinischen Thüringen wurden die ersten Visitationen im Jahre 1528 durchgeführt, darunter auch in den zu Eisenach gehörenden Ämtern. Nach einer fünfjährigen Pause fanden die nächsten Visitationen erst wieder 1533 statt. Die Protokolle der letzteren sind erhalten [7]. Irgendwann vor oder auch während der Reformation wurden die Gemeinden von Neustädt und Sallmannshausen dem Gerstunger Pfarramt angeschlossen, denn aus einem Visitationsprotokoll von 1533 erfährt man:

Diese dorffer sind auch weyland filial von Gerstungen gewesen. Aber in der Visitation
Anno 1528 davon abgesondert. Ist unsers gnedigsten Hern lehenn.

Der folgende Ausschnitt aus der Urkunde vermittelt einen Eindruck von der damaligen Kommunikationsweise:

Bild 5 : Visitationsprotokoll 1533 (Ausschnitt)

Wenn große Gemeinden wie Gerstungen mehrere Filials hatten, war die übliche Regelung, dass die Pfarrer einen oder mehrere Vikare hatten, die die pfarramtlichen Pflichten wahrnahmen [8]. So muß es auch im Falle von Neustädt und Sallmannshausen gewesen sein, denn im Archidiakonatsregister von 1506 ist ein eigener Pfarrer für Neustädt noch nicht verzeichnet [6]. Die für Neustädt und Sallmannshausen zuständige Vikarei besaß ein Lehen, das ihr 1446 von einer 5-köpfigen Stiftergruppe (darunter drei Herren von Colmitsch) geschenkt wurde und vermutlich deswegen im Visitationsprotokoll als "der von Kollmitzsch Lehenn" bezeichnet wird. Ihre Güter lagen in Untersuhl und Neustädt und waren so groß, daß sie eine reiche Besoldung für den Gerstunger Vikar lieferten. Der letzte Vikar, der diese Einkünfte bezog, war Peter Möller. Er war gerade erst seit 1525 im Amt [9], wurde aber schon im Ergebnis der ersten Visitation von 1528 als "arger Papist" (nicht Baptist !), also wegen seiner Papsttreue, abgesetzt. Das erwähnte Lehen behielt er auf Lebenszeit.

Da nun die Vikarei in Gerstungen nicht mehr existierte, wurde 1528 in Neustädt eine eigene Pfarrei mit einem evangelischen Pfarrer eingerichtet, der Sallmannshausen als Filial zu versorgen hatte. Über die Besoldung des neuen Pfarrers ist nichts überliefert. Insgesamt scheint es aber dann in dieser Konstellation so große Schwierigkeiten gegeben zu haben, daß bei Gelegenheit der nächsten Visitation von 1533 Sallmannshausen wieder abgetrennt und zu Lauchröden als Filial geschlagen wurde. Im Visitationsprotokoll von 1533 findet man folgende Mitteilung:

Wiewoll Inn der Visitacion Anno D. 28 diese zwey Dorffer [Neustädt und Sallmannshausen] zusammen geschlagen, Dieweyl sie aber doch der Werra halben, durch einen Pfarrer, sonderlich wann das Wasser gros ist, nicht woll versorget werden mögen, und zuzeiten die leuthe Inn der noth, mit den pfarrechten verseumbt werden, Ist Inn Itziger Visitation verordnet, das der pfarrer zu Lauchrieden die leuthe zu Salmanshausen versorgen soll. Es soll auch der pfarrer zu Lauchrieden dem pfarrer zu Neustat von dem einkommen zu Sallmannshausen Jehrlich geben 2 Scho geldes vom widemuth [Pächter des Pfarrgutes] und den drittenteil der Dezems Arten [des Zehnten]. Freitags nach Nativitas Mariae [15.9.] Anno D 33.

Und folgerichtig findet man auch eine Notiz in dem Protokoll der Visitation von 1533 in Lauchröden:

In dieser pfar Ist Inn Itziger pfar Visitation das Dorff Salmanshausen geschlagen worden, davon obstehet, was dem Pfarrer jerlich vom einkommen gereicht und wie lang es auch dabey bleiben soll. Vide Neustat Im Ambt Gerstungen.

Gleichzeitig legte die Visitationskommision fest, die Einkünfte der Gerstunger Vikarei auf die Pfarreien der beiden Dörfer Neustädt und Süß aufzuteilen. Dabei ist es genau 200 Jahre geblieben. Erst 1733 wurde Süß aus dem Gerstunger Amt herausgelöst und kam unter hessische Hoheit. Die Regelung zwischen Lauchröden und Sallmannshausen war noch dauerhafter, erst 1889 – also nach 356 Jahren – schlug man Sallmannshausen dann wieder der wesentlich günstiger gelegenen Pfarrei Neustädt zu.

 

5. Pfarrer und Lehrer in der Zeit bis zum 30jährigen Krieg
Der erste Seelsorger, der 1533 in Lauchröden von der damaligen protestantischen Filiallösung betroffen war, hieß

Pfarrer Herrmann Küttel/Keuttel, gen. Hartung;

er ist also damit der erste evangelisch/lutherische Pfarrer in Lauchröden und Sallmannshausen [9]. Er wurde vermutlich um 1468 geboren. Seit 1512 ist er als Nachfolger von Johann Ambach in Lauchröden tätig. Als er 1558 aus dem Amt scheidet, wird sein Alter auf fast 90 Jahre angegeben. Im Visitationsprotokoll von 1554 wird folgendes notiert:

Der pfarher Herman Keuttel ist ein alter verlebder man, und doch götlicher schrifft zimlich erfarren. Wiewol ehr aber etwas unvermögender das filial zu belauffen, so hat er doch bis in seine grube an seinem fleis nichts erwenden zu lassen zugesagt. Derwegen verschaffet [vereinbart], das die Leute im filial ihn alwege wan ehr predigen sol, uff ein weglein holen lassen.

Ab 1560 ist er fast blind. 1561 wird er als Vater von 11 Kindern genannt. Sein Nachfolger

Pfarrer Johann Krohn/Corona

amtierte von 1558 bis 1573. Um 1530 herum könnte er geboren sein, denn 1551 ist er Student in Jena und wahrscheinlich bis 1558 Pfarrer in Schwerstedt (entweder bei Erfurt oder bei Weimar). Der spätere Pfarrer Matthäus Krieg berichtet über die Amtsenthebung von Krohn:

Flacianisme infectus ab office remotus anno 1573

Auf Deutsch: Vom Flacianismus (einer abweichlerischen lutherischen theologischen Richtung) infiziert, aus dem Amt entfernt im Jahre 1573. 1578 wird er noch als Sallmannshäuser Einwohner erwähnt.

 

Pfarrer Sixtus Rodtmund/Rotermund

tritt 1573 - aus Falken kommend - das Amt des Pfarrers in Lauchröden an, das er bis zu seinem Tode 1606 innehat. Sein Nachfolger ist

Pfarrer Johann Paulus Georgius

Georgius stammt aus einem der beiden Elxleben bei Erfurt, wo er 1577 geboren ist. Von 1606 bis 1621 ist er in Lauchröden tätig. Er beginnt dort vermutlich als erster mit den schriftlichen Eintragungen in die Kirchenbücher, zumindest sind diese ab 1606 erhalten. Unter ihm wird 1611 die Kirche in Lauchröden neu gebaut. Im Sommer 1621 wird er nach Neustädt versetzt, gleichzeitig kommt der ehemalige Pfarrsubstitut von Dankmarshausen, Heinrich Agricola, nach Lauchröden.

Die beiden Neubesetzungen bilden den Anlaß für eine ausführliche Einsetzungsfeier, die unter Leitung des von Gerstungen aus anreisenden Eisenacher Superintendenten Magister Nicolaus Rebhan in Lauchröden stattfindet. Die Kirchenrechnung darüber ist in Gerstungen erhalten, sie beträgt allein über 26 Gulden für 44 Kandeln Wein und über 11 Gulden für 3 Eimer 6 Kandeln Bier; d.h. es wurden etwa 76 l Wein und 230 l Bier getrunken. Die schlimmen Zeiten des 30jährigen Krieges waren noch nicht gekommen.

Seine Ehefrau hieß Maria; sie hat ihm die schier unglaubliche Zahl von 15 Kindern geboren, von denen aber knapp die Hälfte schon im Kindesalter starben. Er stirbt 1635 in Eisenach "auf der Flucht" vor der Pest.

Lehrer Hanß Köhler

Köhler ist der erste Lehrer, der in den Sallmannshäuser Kirchenbüchern erwähnt wird, allerdings auch nur zweimal, nämlich 1606 und 1609 bei der Taufe seiner Töchter. Der Kindesvater wird 1606 als Kirchner bezeichnet, ein Begriff, den die Pfarrer auch späterhin noch häufig für die Lehrer in Sallmannshausen gebrauchen. 1613 wird er in seinem Amt von dem

Lehrer Johannes Schiebler/Schiebeler

abgelöst, der vermutlich aus Lauchröden stammt. 1609 heiratet er dort eine Elsa Dach; 2 Kinder werden geboren, denen in Sallmannshausen weitere 5 folgen. 1621 verläßt die Familie Sallmannshausen wieder und läßt sich in Lauchröden nieder. 1626 stirbt er dort, vermutlich an der damals herrschenden Pest; 1627 auch Elsa Schiebeler.

 

Vermutlich irgendwann in dem Zeitraum zwischen 1530 (der neuen Gemeindezuordnung) und 1600 (dem Beginn der schriftlichen Aufzeichnung in den Kirchenbüchern) hat es eine völlige Neugestaltung und Erweiterung der Sallmannshäuser Kirche gegeben. Die wichtigsten Veränderungen aus heutiger Sicht waren:

  • Aufsetzen eines größeren Turmes auf das vorderste Gewölbe
  • Zumauern von zwei Seitenfenstern der vormaligen Kapelle
  • Anbau eines Langhauses mit Tonnengewölbe,
  • Durchbruch der Westwand der Kapelle in Form eines spitzbogigen Triumphbogens.

Leider gibt es bisher keinerlei Nachricht über diese frühe Umgestaltung, vielleicht finden sich einmal bei der Öffnung des Turmknopfes Hinweise.

 

6. Der Dreißigjährige Krieg
Der Dreißigjährige Krieg hat mit all seinen Schrecknissen auch in dieser Region Thüringens seine tiefen Spuren hinterlassen. Der amtierende Seelsorger dieser Zeit war

Pfarrer Heinrich Agricola.

Er ist Jahrgang 1591 und stammt aus Süß ("suessanus"). 1608 besucht er die Lateinschule zu Eisenach und 1610 die Universität Jena. 1612 findet man ihn im Pädagogicum Göttingen und 1614 auf der Universität Wittenberg. 1616 wird er in Eisenach ordiniert und geht als Substitut nach Dankmarshausen, dort heiratet er im gleichen Jahr die Pfarrerstochter Barbara Hagelgans (*1592). Im August 1621 kommt er nach Lauchröden, wo er den scheidenden Pfarrer Johann Paulus Georgius ablöst, der nach Neustädt versetzt worden war (s. Abschn.5.)

1635 wütet die Pest in der Region, allein in Lauchröden fordert sie 215 Todesopfer, darunter auch alle 8 Kinder des Pfarrers und am Schluß auch noch dessen Ehefrau. Doch Heinrich Agricola faßt neuen Lebensmut und heiratet 1636 zum zweitenmal. Die neue Frau heißt Regina (Geburtsname unbekannt) und ist vermutlich ebenfalls Jahrgang 1616. Sie haben noch einmal zwölf Kinder zusammen.

Agricola bleibt 48 Jahre, bis 1670 im Amt, dann kommt der Substitut Conrad Jäger zur Ablösung nach Lauchröden. Agricola stirbt hier im Jahre 1676, seine Frau Regina geht nach Berka/Werra und stirbt dort 1693.

Agricola hat in den Jahren des 30jährigen Krieges neben dem persönlichen Leid auch zahlreiche schwere Übergriffe der durchziehenden Armeen an den Dorfbewohnern miterlebt, in deren Folge es viele Opfer unter der Zivilbevölkerung gab. Die im Sallmannshäuser Kirchenbuch von ihm aufgezeichneten Vorgänge sprechen für sich und erfordern keinen Kommentar:

Den 6. May 1626: Heintz Manßen, welcher von den Tillischen Reutern vor seinem Hofe erschossen worden, begraben. Item Johans Gunderman [Gonnermann] juvenis aus Wommen, welcher sich zu Salmshausen salviren [retten?] wollen, ist eodem die [am gleichen Tag] von solchem Volck erschossen und neben Heintz Manßen begraben worden.

Den 11.May 1626: Melchior Urban von Lauchrieden, welchen das Kriegsvolck gezwungen, das gestolnen Zeugs zu tragen, hat zu Salmshaußen müssen überfüren [mit dem Boot übersetzen], den haben sie aus dem Schiff geworffen, ist ertruncken und begraben worden.

Den 11. July 1632: Agnesa Börnharden eine Junge Tochter getaufft,... gibt für, Sie sey zu Gerstung gewesen und haben Sie drey Reuter im Forst mit gewalt genotzüchtiget, aber Vulgus non vult. credere...[aber das Volk wollte es nicht glauben...].

Den 29. Aug. 1635: Margr. Katzman mägdlein von 12 Jahren so vom Heß. Krieger Todt geschändet, begraben

Den 9. jun. 1637: Michael Deubich hat Fisch [Fleisch?] wollen nach Eißenach tragen, ist aber zuvor von Croaten geschlagen und sehr malus(?) gewesen und für Göring in WeidenStämmen liegen blieben, gestorben und zu Göringen begraben worden.

Im julio 1640: Hanß Wiedeman junior ist von dem Kayserl. Kriegsvolck im Dorff übel geschlagen und tödlich in Kopf gehawen worden, darauff Er nach Eißenach kommen und daselbsten gestorben.

Aber nicht nur unter der Brachialgewalt litten die Bewohner, häufig traten auch infolge der Not und der Unterernährung schlimme Seuchen auf, so 1617 schon die Ruhr, 1624 die Pest in Sallmannshausen und 1625/26 in Neustädt. Später, 1635, kam die Pest noch einmal, aber wesentlich verheerender, allein in Sallmannshausen sind 91 Tote zu beklagen (etwa die Hälfte der Einwohner).

Fast zur gleichen Zeit wie der Pfarrer Heinrich Agricola tritt der

Lehrer Conrad (Curt) Binhart/Binhard

sein Amt in Sallmannshausen an. Er ist wie dieser Jahrgang 1591, stammt aber wahrscheinlich aus Sallmannshausen. 1622 wird er das erste Mal als Kirchner bezeichnet.

Anfang 1621 heiratete er (noch ohne Titel) Urthey ( = Orthey = Dorothea) Fuchs aus Nesselröden. Sie stirbt jedoch schon Mitte 1662, und so heiratet er zum zweiten Mal (Ende 1662) die 1593 in Dankmarshausen geborene Ampolonia Reimpach. Das Ehepaar hat 5 Kinder, von denen nur eine Tochter das Pestjahr 1635 überlebt. Die Mutter stirbt 1654 in Sallmannshausen. Curt Binhard hat bis 1650, als sein Nachfolger Christoph Peter auftaucht, das Lehreramt in Sallmannshausen innegehabt. 1659 stirbt er hier im Alter von 68 Jahren.

 

7. Hexenprozesse um 1660

In Thüringen hat es über 1500 nachweisbare Fälle von Hexenverfolgung gegeben, wobei eine besondere Häufung in den Anfangsjahren des 30jährigen Krieges und dann wieder um das Jahr 1660 aufgetreten ist. Der letzte Prozeß fand im Jahre 1700 statt. Von etwa 1200 Fällen kennt man den Ausgang: er endete über etwa 900mal mit dem Tode der Beschuldigten, davon 600mal durch Verbrennen [10]. Bemerkenswert ist der Anteil männlicher Beschuldigter, er betrug immerhin 13%.

Die Hexenprozesse waren keine Strafverfahren der evangelischen Kirche, sondern sie waren formale Rechtsangelegeheiten der weltlichen Gerichtsbarkeit. Eröffnet wurde ein gerichtliches Verfahren bei den herrschaftlichen Ämtern oder bei den zuständigen Gerichtsherren. Dazu mußte entweder eine Anzeige aus der Bevölkerung oder eine Beschuldigung durch eine andere Hexe vorliegen. 4 "Vergehen" wurden verfolgt: Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft/-unzucht, Hexensabbat und Schadenzauber.

Das Perverse an diesen Gerichtsverfahren war, dass die Verurteilung nur auf Grund des eigenen Geständnisses erfolgen konnte. Rechtschaffene glaubwürdige Zeugen konnte es nicht geben, denn diese hatten ja ebenfalls an dem "Kontakt mit dem Teufel" teilgenommen. Das Geständinis wurde bekanntlich durch Folterung erpreßt. Die Protokolle der Ermittlungen und Verhöre wurden an eine höhere juristische Instanz, einen sogen. "Schöpfenstuhl" zur juristischen Beratung geschickt. Das war in den Fällen unserer Region ein Kollegium von Juristen an der Universität Jena, das am Schluß auch das Urteil sprach. Der Landesherr bestätigte es, oftmals mit der "Strafmilderung" des Enthauptens vor dem Verbrennen.

In den Kirchenbüchern von Sallmannshause findet man keinerlei Hinweise über Hexenverfolgungen. Wenn es welche gegeben hat, dann haben sie auch nicht im Ort stattgefunden; alle Angaben dazu wären also außerhalb zu suchen.

In den Fällen, wo Akten aus dieser frühen Zeit erhalten sind, stößt man häufig auch auf die Namen von weiteren Beschuldigten, die unter der Folter erpreßt wurden. Ein besonders extremes Beispiel dafür ist der berühmte Hexenprozeß der ledigen Elsa Kayser aus Pferdsdorf, die am 3.6.1658 in Creuzburg verbrannt wurde und deren Prozeßakten vollständig erhalten sind [11]. Der Urteilsspruch vom 19.5.1658 lautet:

... Dafern sie nun uf dieser ihrer gethanen außage vor gehegte peinliche Halßgerichte verharret, so wird sie wegen solcher verübter Hexerey mit dem feuer vom leben zum tode gestrafet. Uf diejenigen aber, so inqusitin in ihrer Außage nahmhaftig gemacht, ist fleißig zu inquiriren und wenn dergleichen indicia wider sie vorhanden, sind sie so dann zur gefänglichen Haft zu bringen, darauf ferner ergehet was recht ist. Von Rechts wegen, Urkundlich mit unserem Insiegel besiegelt

 

 verordnete Dechant. Senior undt anderer
 Doctores des Schöppenstuhles zu Jehna.

 

In der Tortur hat sie 25 Namen genannt, darunter 12 Männer, die mit ihr am Hexentanz teilgenommen haben. Diese sollen also – ausdrücklich auch nach dem Willen des Landesherrn Herzog Johann Wilhelm - alle gerichtlich weiterverfolgt werden. Und tatsächlich sind auch über einige von ihnen weitere Unterlagen gefunden worden [12]. Unter den von Elsa Kayser genannten Männern [11] findet man die Namen

  Manß Clauß und Heiliger Hanß,
  beide von Sallmannshausen,

jedoch in [12] keinen Hinweis auf einen weiterführenden Prozeß. Aus dem Sallmannshäuser Kirchenbuch läßt sich jedoch das Folgende über ihr Leben zusammentragen:

Bei Mans Claus handelt es sich entweder um Claus Manß sen. oder Claus Manß jun. Beide (Vater und Sohn) gehen in diesen Jahren regelmäßig zum Abendmahl, bis 1660 der Besuch des Jüngeren und 1661 der des Älteren plötzlich abbricht. Erst 1665 finden wir wieder einen Claus Manß (ohne nähere Bezeichnung) als Teilnehmer am Abendmahl. Wahrscheinlich ist es der Jüngere, denn er besucht bis 1681 (dem Ende der Aufzeichnungen) dort die Abendmahlsfeiern, zuerst mit der ersten Frau Regina, dann mit der zweiten Catharina. Sterbedaten habe ich nicht gefunden, so muß man annehmen, daß sie vielleicht Sallmannshausen später verlassen haben.

Der Heilige Hans ist Hanß Franck. Er hat offenbar die gefährliche Anschuldigung von 1658 unbeschadet(?) überstanden, denn seine Abendmahlteilnahme ist durchweg in jedem Jahr bis 1665 belegt. 1666 findet sich seine Todesnotiz im Sallmannshäuser Kirchenbuch. Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, daß er seit 1627 mit der verwitweten Maria Manß verheiratet war, deren erster Mann Heintz Manß 1626 von Tillyschen Reitern vor seinem Hof erschossen wurde (s. Abschn.6.). Das wäre ein Hinweis auf die Verbindung zwischen den beiden Familien Manß und Franck. Seine Schwester ist die sog. Heilige Anna, *1599, †1684 in Sallmannshausen.

Auch in Neustädt findet man in den Kirchenbüchern zunächst nichts (von einer Ausnahme abgesehen), was auf Hexenprozesse hindeutet. Da das Dorf zum Amt Gerstungen gehörte, wurden die dort Hingerichteten oder in der Tortur Verstorbenen auch dort bestattet, und das wurde dann registriert. Im Falle von Sallmannshausen lag die Gerichtsbarkeit in dieser Zeit bei verschiedenen Lehnsherren, die ihren Sitz in Lauchröden oder Neuenhof u.a. hatten.

 

8. Pfarrer und Lehrer bis 1700

- Pfarrer Conrad (Curt) Jäger

Jäger ist 1635 in Creuzburg geboren. 1654 und 57 findet man ihn auf der Universität Jena. Im Frühjahr 1670 kommt er als Substitut des altersschwachen Pfarrers Agricola nach Lauchröden, nach dessen Tod im Jahre 1676 übernimmt er die Pfarrstelle voll.

1669 heiratet er Anna Margaretha Henning (*1652 in Eisenach), sie stirbt aber schon 1671 in Lauchröden, vermutlich an den Folgen der Geburt ihres einzigen Kindes. Jäger heiratet 1672 zum zweiten Mal, und zwar die 1653 in Creuzburg geborene Anna Wächter, mit der er 5 Kinder hat. Curt Jäger stirbt 1679 in Lauchröden noch vor der Geburt seiner jüngsten Tochter.

- Pfarrer Johannes Teubner

Teubner, auch Steubner geschrieben, ist 1630 in Wenigenlupnitz geboren. 1649 ist er auf der Universität Jena und kommt 1657 als Pfarrer nach Süß, wo er 22 Jahre tätig ist. 1658 heiratet er Elisabeth Hoffrock, geboren 1640 in Wenigenlupnitz. Mit ihr hat er 9 Kinder. 1679 wird er nach Lauchröden berufen, wo er die Nachfolge von Jäger antritt. Als 1696 seine Frau stirbt, heiratet er ein zweites Mal (Namen unbekannt). 1706 stirbt er selbst, nachdem er kurz zuvor noch seinen Nachfolger im Amt (Joh. Matthäus Krieg) getraut hatte.

Teubner hat offenbar im Jahre 1693 die Frage eines Kirchenneubaus in Sallmannshausen ins Gespräch gebracht. In einem Schriftstück vom 18.9.1693 heißt es abschlägig, daß die Gemeinde Sallmannshausen ...

... mit der Abtragung ihrer baufälligen und von Grund auf neu aufzuführenden Kirchen noch eine Weil, und biß etwa zu besseren Zeiten angestanden werden möchte.

Etwa 20 Jahre später waren anscheinend diese besseren Zeiten gekommen.

- Lehrer Christoph Peter

Christoph (Stoffel) Peter ist 1628 geboren und kommt im Jahre 1650 von außerhalb an die Schule von Sallmannshausen, wie das Kommunikanten-Register zeigt. Seine Frau heißt Margarethe und wird 1653 dort das erste Mal erwähnt. Von 5 Kindern finden wir Angaben im Kirchenbuch. In der Zeit um 1668/1669 gibt er den offensichtlich schlechtbezahlten Beruf auf und macht seinem Nachfolger Platz. Er bleibt mit seiner Familie noch 30 Jahre in Sallmannshausen, hier stirbt er 1699. Keines seiner 5 Kinder hat ihn überlebt. Seine Frau Margarethe stirbt 1700 ebenfalls in Sallmannshausen.

- Lehrer Valentin Schein

Die Lehrersfamilie Schein (auch Scheun geschrieben) kommt im Frühjahr 1669 mit zwei Kindern nach Sallmannshausen; zwei weitere werden ihnen hier geboren. 1673, kurz nach der Geburt des letzten Sohnes, stirbt seine Frau im Wochenbett. Valentin heiratet noch im selben Jahr wieder und zwar Anna Catharina Schnuphase und hat mit ihr noch einmal zwei Kinder. Im Mai 1676 macht er einen Gang nach Eisenach, auf dem Rückweg stürtzt er bei Stedtfeld von der Hörselbrücke ins Wasser und zieht sich dabei schwere innere Verletzungen zu; andern Tags stirbt er in Sallmannshausen.

- Lehrer Jacob Finck

Als sofortiger Ersatz für den verunglückten Schein wird Jacob Finck noch 1676 eingestellt. Seine Frau heißt Anna Martha oder Margaretha, sie haben 3 Kinder zusammen. Ab 1681 tritt schon sein Nachfolger ins Bild. Was aus Finck mit seiner Familie geworden ist, bleibt unbekannt.

- Lehrer Jacob Hartmann

Hartmann kommt 1681 aus Krauthausen, wo er vorher bereits "Schuldiener" gewesen war. In Sallmannshausen werden ihm 4 Kinder geboren, der Name seiner Frau wird dabei nicht genannt. Schon 1691 verläßt auch er den Schuldienst wieder und wird Soldat.

- Lehrer Matthäus Semmen

Er ist Jahrgang 1629, seine Herkunft bleibt jedoch völlig offen. 1653 tritt er in den Schuldienst ein und kommt 1658 als Lehrer nach Lauchröden. Der Name seiner Frau ist unbekannt; sie haben drei Kinder zusammen. Semmen kommt 1691, als 63 Jahre alter Mann, nach Sallmannshausen, wo offenbar die Lehrerstelle schnell wieder besetzt werden mußte. Damit macht er in Lauchröden den Platz frei für den eigenen Sohn Christoph, der hier die volle Lehrerstelle übernimmt. Matthäus Semmen stirbt 1695 in Sallmannshausen.

 

Literatur

[1]

J.H.Chr.(E.) Heusinger: Sagen aus dem Werratale. Eisenach 1841; Eisenach 1923; Freiberg/Gerstungen 2002.

[2]

H. Heuse: Zur Geschichte der Brandenburg. Neue Werrazeitung, Teil I (2002)4, S. 13-14; Teil II (2002)7, S.10-11; Teil III (2002)8, S.12-13; Teil IV (2002)9, S.10-11; Teil V (2002)10, S.12-13; Teil VI (2002)11, S.12-13; Teil VII (2002)12, S.13-14; Teil VIII (2002)13, S.12-13; Teil IX (2002)S.11-12; Teil X (2002)15, S.17; Teil XI (2002)16, S.14; Teil XII (2002)17, S.20-21.

[3]

 E.G. Franz: Kloster Haina. Regesten und Urkunden. Band I: Marburg 1962

[4]

 C. Bernhardt, K. Kollmann: Urkunde über die Ersterwähnung von Sallmannshausen.
Neue Werrazeitung Gerstungen 10 (2002)6, S.11-13
Neue Werrazeitung Gerstungen 10 (2002)7, S.11

[5]

W. Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch.
3. Aufl., Bad Langensalza 2005

[6]

 P. Lehfeldt (Herausgeb.): Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens.
Darin Heft XXXVIII: G.Voss: Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Jena 1913.

[7]

Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar (ThHStAW), Ernestinisches Gesamtarchiv,
Reg. I(i), fol.11 b, Nr.4 (Visitationsprotokolle 1533) und
Reg. I(i), fol. 23-26 (Visitationsprotokolle 1554)

[8]

H.O. Stölten: Zum Aufbau der evangelischen Landeskirche.
Eisenacher Zeitung, Beilage Luginsland, vom 10.3.1925, 17.3.1925, 23.3.1925, 14.4.1925, 28.4.1925.

[9]

B.Möller u.a. (Herausgeb.): Thüringer Pfarrerbuch. Band 3: Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Landesteil Eisenach.Neustadt a.d.Aisch, 2000.

[10]

R. Füssel: Hexen und Hexenverfolgung in Thüringen. Erfurt 2001

[11]

W. Seher: Ein Hexenprozeß aus dem Jahre 1658.
Heimatblätter für den Kreis Eisenach, 1937, H.4, S.75-93

[12]

F. Rollberg: Vom Hexenwahn in Westthüringen. Kennzeichnendes Material aus 153 Hexenprozessen. Das Thüringer Fähnlein. Monatshefte für die mitteldeutsche Heimat. 7 (1938) H.4, S.105-133

 

Freiberg, den 20.3.2007

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