Fürst Pueckler

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Hoechster Kreisblatt vom 12.01.1999


Fürst Pücklers Landschaftspark wächst wieder zusammen
 

 Von Hans-Petko Teuchert

Der Name Fürst Pücklers (1785-1871) ist bekannt nicht nur, weil ein Speiseeis nach ihm benannt wurde. Pückler war ein bedeutender deutscher Park- und Landschaftsgestalter, ein Schriftsteller, Playboy und versnobter Dandy vor dem Herrn.
Manche seiner exzentrischen Auftritte sind legendär. So soll er in Berlin Unter den Linden mit einer Kutsche aufgekreuzt sein, vor die er Hirsche hatte spannen lassen.

Nun soll die erste gemeinsame deutsch-polnische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) dazu beitragen, den Muskauer Fürst-Pückler-Park in den Rang eines Weltkulturerbes der Unesco zu erheben. Die teils auf deutschem, teils auf polnischem Gebiet gelegene Anlage ist in den vergangenen 50 Jahren auf polnischer Seite stark verwildert.

20 junge Frauen und Männer aus Bad Muskau und Rietschen, Lugknitz (Leknica) und Sorau (Zary) haben eine drei Hektar große Lichtung in das undurchdringliche Dickicht am Herrenberg geschlagen. Dabei entdeckten sie eine fast zehn Meter hohe Hecke aus Hainbuchen, die noch an die alten Anlagen erinnert. Polnische Forstarbeiter legten in der Nähe den Lieblingsplatz Hermann Fürst von Pückler-Muskaus frei, auf dem noch immer drei von ihm gepflanzte Linden stehen. Von dort sind nun wieder die Türme des alten Renaissance-Schlosses jenseits der Neiße auf deutscher Seite zu sehen. "Damit wir einen gemeinsamen Antrag auf Aufnahme des berühmten Parkensembles beiderseits der Neiße in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes stellen koennen, ist nach den Entwürfen Pücklers noch viel Arbeit zu leisten", meint Andrzej Michalowski, Direktor der Polnischen Denkmalbehoerde für Gärten und Parkanlagen aus Warschau.

Neben der Freilegung der Baumschule und der Wiedereinrichtung der Gärtnerei gehoeren dazu der Wiederaufbau des 1945 durch einen Brand zerstoerten Schlosses, einiger Brücken über die Neiße sowie die Sanierungsmaßnahmen im polnischen Parkteil. "Von hier aus traten Gehoelze wie die gärtnerisch vermehrten Sorten der heimischen Stileiche den Weg in die Welt an. Hier standen einmal 100 verschiedene Eichensorten", sagt der Direktor der deutschen Parkstiftung, Cord Panning.

Erst im Sommer vergangenen Jahres wurde in der strukturschwachen Region beiderseits der Neiße der Weg frei für das gemeinsame Projekt: Mit Grundkenntnissen im Garten- und Landschaftsbau ausgestattet, begannen deutsche und polnische Jugendliche mit den Aufforstungsarbeiten, die noch bis Ende Januar dauern. Sie werden sich auch am Wiederaufbau der Doppelbrücke über die Neiße beteiligen: Parkmitarbeiter und Besucher sollen künftig ohne Grenzformalitäten von einem in den anderen Teil des weltberühmten Parks (600 Hektar) gelangen koennen.