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   Inhalt:

     

  1. Aus deutschen Gärten
  2. Nachruf von 1920

 

 

Aus deutschen Gärten.


Die Parkanlagen zu Tillowitz,
Ober-Schlesien.
Vom städtischen Garteninspektor und staatl. dipl. Gartenmeister Ulbrich in Oppeln
(Hierzu ein Porträt und sechs Abbildungen, nach für die "Gartenwelt" gefertigten Aufnahmen.)

 

    Echte Perlen der Gartenkunst sind in unserem deutschen Vaterlande nicht allzu häufig zu finden. Das liebe Schlesien besitzt aber den Vorzug, mehrere solcher Kleinode aufweisen zu koennen, dank der Opferwilligkeit der gerade in dieser Provinz zahlreicher ansässigen Standesherrschaften und Magnaten, welche zum Teil auch heute noch große Summen der schoenen Gartenkunst opfern und den von ihnen berufenen Fachmännern Gelegenheit zu freier Betätigung in ihrem Fache geben, ja oft auch selbst mitschaffen und Werke erstehen lassen, die unvergänglich sind und bleiben. Muskau (heute: Bad Muskau) , Branitz, Fürstenstein (wohl Schlesiens schoenste Perle), Koppitz, Neudeck und noch viele andere sind mehr oder weniger bekannte Stätten, die wir als große und kleine Edelsteine in das Diadem unserer schoenen Muse einfügen koennen. Der Wanderer wird da des Schauens nicht müde, wenn ihn der Weg aufs Neue einen gesegneten Fleckchen Erde zuführt, welches ihm bislang Unknown geblieben war.

    So liegt auch Tillowitz abseits der großen Straße. Nur von der Zweigbahn Oppeln-Neisse berührt, ist es ein herrlicher Erbsitz der Grafen von Frankenberg. Dem Schoepfer und Vater des jetzigen Besitzers lag wohl nicht daran, seinen Besitz bekannt zu machen, denn er hatte ihn nur für sich und die Seinen geschaffen. Auch war es nicht seine Art, mit dem Besitz zu prahlen, er war aber stolz auf seinen schoenen Park, in welchen er mit großem Kunstsinn viele seiner ureigensten Ideen hineinverpflanzte.

     

     Exzellenz Graf Fred von Frankenberg, Freiherr von Ludwigsdorf, seit 1896 Wirkl. Geh. Rat, lebte von 1833-97; er ruht als großer Gartenfreund und Verehrer des Fürsten Pückler in der Schloßkapelle zu Tillowitz nun einmitten seines Parkes, der ihm stets ans Herz gewachsen war. Wenn ich seine Schoepfung betrachte, so dünkt sie mich ein Muskau zu sein. Alle, welche den Grafen kannten, sahen in ihm einen zweiten Pückler. Daß hierzu eine geschickte, mit feinem Kunst empfinden, sehr großer technischer Gewandtheit und reicher Erfahrung ausgestattete Gärtnernatur gehoerte, die das zu Gebote stehende Material auch bis ins Kleinste hinein voll und ganz anzuwenden versteht, ist selbstverständlich. Die Hand, welche in Tillowitz im Dienste des Grafen die Natur so geschickt gemeistert hat, war lange Jahre hindurch rege, sie dachte nur immer an Arbeit und wieder Arbeit, um das Werk tadellos zu vollenden. Nimmer rastend, ist sie jetzt aber ruhiger geworden, denn nach 43jährigem treuen Wirken im Dienst der Familie der Grafen von Frankenberg, ist Obergärtner Maximilian Sallmann, unter den oberschlesischen Kollegen kurz "der alte Sallmann" genannt, im Januar des vergangenen Jahres in den wohl verdienten Ruhestand getreten. In Anerkennung seiner langen, treuen Dienste hat ihm sein letzter Herr, Graf Conrad von Frankenberg, Freiherr von Ludwigsdorf, ebenfalls ein großer Freund und Verehrer der schoenen Gartenkunst, wohlwollend in unmittelbarer Nähe seines ihm so sehr ans Herz gewachsenen Wirkungskreises ein trauliebes Altersheim bereitet und auch für die Zukunft die Aufsicht über die künstlerische Ausgestaltung sämtlicher Anlagen in seiner Hand belassen.

     Etwa um 1836 legte Sallmanns Vater, Curt Sallmann, dort, wo zuvor nur landwirtschaftlich bearbeitete Flächen waren, den Grund zum jetzigen Park (noch um 1896 befanden sieh im Park eine Anzahl kleinerer Privatbesitzungen, die nach und nach angekauft wurden). Er wirkte 12 Jahre hindurch in regster Tätigkeit, bis sein Sohn in der Lage war, ihn im zunehmenden Alter zu unterstützen und später ganz an seine Stelle zu treten. Maximilian Sallmann (obenstehende Abb. zeigt ihn im 36. Lebensjahre) steht heute im 67. Lebensjahre und hat sich fast dieselbe Frische an Geist und Koerper bewahrt. Er wurde am 30. Juli 1846 zu Tillowitz geboren, trat bei seinem Vater am 1. Oktober 1860 in die Lehre und war u. a. längere Jahre in Großstrelitz und Muskau tätig. Dort trieb er in Gemeinschaft mit Goethe (Geisenheim), einem geborenen Muskauer, eifrig dendrologische Studien. Bald mußte er aber des Koenigs Ruf zu den Waffen folgen und bei den 6. Jägern in Freiburg i. Schl. seiner Militärpflicht genügen. Mit seinem Herrn, der schon 1866 unter den tapferen Streitern gestanden hatte und damals Husarenoffizier und Adjutant des Kronprinzen, nochmaligem Kaiser Friedrich III., war, zog er 1870 gemeinsam ins Feld, um mit ihm 1871 in der siegreichen Armee wieder heimzukehren. Ein erbeutetes franzoesisches Geschütz wurde dem Grafen zur Erinnerung an die Kriegsjahre verliehen. Nun übernahm Sallmann die eigentliche Leitung der sämtlichen Anlagen aus den Händen seines Vaters. Graf von Frankenberg foerderte in jeder Beziehung die Entwicklung seines Parkes; er hatte in Sallmann den besten Werkmeister gefunden, der es gut verstand, die Wünsche seines Herrn mit feinem Verständnis in die Praxis umzusetzen. Die großen Gewächshausanlagen für Obst- und Weintreiberei (Abbildung s.o.), ein großes Palmenhaus im Park und ein umfangreiches Blumenhaus, wurden unter seiner Leitung in dem 12 Morgen großen Gemüsegarten durch das Tillowitzer Eisenwerk gebaut. Den Treibereien dienten die Hauptschen Anlagen in Brieg zum Vorbild. Die Gewächshäuser kosteten etwa 90 000 Mark; sie sind bis heute noch vielfach erweitert worden.

Im Anfang der 90er Jahre legte der franzoesische Obstzüchter Lepère in Tillowitz im Auftrage des Grafen persoenlich einen franzoesischen Obsthof an, der mit zu den groeßten Schlesiens gehoert und bis heutigentags großartige Ernten liefert. Lepère, der ja damals von allen Magnaten in Anspruch genommen wurde, führte noch vier Jahre hindurch alljährlich den Winterschnitt selbst aus, lehnte es aber ab, noch weiter nach Tillowitz zu kommen, da er meinte, besser wie Sallmann koenne er es auch nicht machen. Ein edler Zug des einfachen Franzosen.

Die Abbildung oben zeigt das im Anfang des vorigen Jahrhunderts im Renaissancestil erbaute Schloß, dessen Mittelbau mit Turm zuerst errichtet wurde, wonach dann die Seitenflügel und eine Erweiterung des Mittelbaues nach Süden angefügt wurden. 1896-97 wurde die auf nebenstehender Abbildung ersichtliche große Schloßterrasse angebaut, von der aus man einen prächtigen Fernblick in den Park und auf die Umgebung genießt. Die nähere Umgebung des schoenen Baues ist sehr reizvoll ausgestattet, dem Stil des Gebäudes angemessen. Durch den Terrassenanbau hat das Schloß noch gewonnen. In späteren Jahren wurden dem bisherigen Park noch einige tausend Morgen Wald angegliedert, welcher Fläche durch Aufforstungen noch weitere große Ländereien hinzugefügt worden sind. Durchforstungen und Pflanzungen gingen Hand in Hand und wurden in groeßtem Maßstabe durchgeführt. Ein kaum übersehbares Torfmoor war sehr bald mit Geschick in nutzbares Wiesenland umgewandelt, sachgemäß bepflanzt und dem Ganzen hinzugefügt. So wuchsen die Anlagen ungeheuer. Einen Teil derselben belebte man durch Einrichtung eines eine Meile in der Länge messenden Tiergartens, aus dem uns Abbildung Seite 201 ein anmutiges Bild bietet. Das Wild wird hier mit groeßter Sorgfalt gehegt und gepflegt; es kennt seine Pfleger so genau, daß wir in Sallmanns Begleitung bei einem sommerlichen Besuch uns einem äsenden Rudel Hirsche bis auf 50 Schritt nähern konnten.

Die oben wiedergegebene Aufnahme machte Hofphotograph Glauer, in einem Heuwagen versteckt, mit einem kostbaren Busch- Bis -Telar- Objektiv der Firma Emil Busch A.-G. in Rathenow; sie gelang sehr gut, denn die im Bach ruhenden Tiere ließen sich anfänglich nicht im Geringsten stoeren, mußten aber doch dem Frieden nicht ganz trauen, denn in wenigen Sekunden war das ganze Rudel auf und davon.

Für die Anlagen wurden stets beträchtliche Mittel aufgewendet, sie erreichten etwa um 1896 eine jahreshoehe von 20 000 M, welcher Summe allerdings auch ganz stattliche Einnahmen im Betrage von etwa 10-12 000 M gegenüberstanden, die aus dem Verkaufe von Heu, Gemüsen, Treibobst, besonders von Wein, Pfirsichen, Blumen, Pflanzen u. a. m., geloest worden sind. Ein Zeichen von Sallmanns unermüdlichem Fleiß sind viele Auszeichnungen, welche die Tillowitzer Produkte auf den groeßeren Ausstellungen erhielten. Gartendirektor Haupt bezeichnete einst die Tillowitzer Orchideen als fast schoener wie die seinigen. Hervorragende Ananas, denen in Koppitz und Neudeck gleich, konnte man oft in Tillowitz sehen.

 Unter seinen Kollegen war Sallmann stets hoch geachtet. Wie schon oben erwähnt, lernte er mit Goethe zusammen. Dieser sowohl, als auch Geh. Hofrat Dr. Keller, ein bekannter Botaniker und geborener Tillowitzer, der 20 Jahre in Japan und zuletzt in Moeckern bei Leipzig tätig war, von Drabizius, Breslau, von Saint Paul-Illaire, der bedeutende Dendrologe im schoenen Fischbachtal im Riesengebirge, Gustav Stoll, Goeschke, Aderhold, Haupt und noch viele andere bekannte Gelehrte und Fachmänner zählten zu seinen ständigen Freunden, die man oft in Tillowitz sehen konnte, um ihrem Studium in Sallmanns Gesellschaft obzuliegen und wissenschaftlich wertvolles Material zu sammeln. Er stand stets in enger Fühlung mit Proskau, war für alle Errungenschaften der Wissenschaft und für alle neuen Kultureinrichtungen interessiert und machte sich dieselben ausgiebig zunutze, immer darauf bedacht, stets auf der Hoehe der Zeit zu stehen und mit ihr fortzuschreiten. Seine Lehrlinge fanden in Proskau stets und gern Aufnahme, da er bemüht war, ihnen nicht nur praktische, sondern auch die noetigen theoretischen Kenntnisse mit auf den Lebensweg zu geben. So erteilte er denselben, trotz seines ohnehin schon sehr umfangreichen Tätigkeitsbereiches, in den Abendstunden und Sonntags Unterricht. Eine Reihe tüchtiger Fachleute sind aus seiner Schule hervorgegangen, die sich der zwar strengen, aber gerechten Zucht ihres Lehrherrn noch gern erinnern und ihm für das dankbar sind, was sie bei ihm lernen durften. Im Jahre 1903 besuchte die Deutsche dendrologische Gesellschaft Tillowitz, um die seltenen und auch in seltener Entwicklung vorhandenen Gehoelzschätze zu besichtigen. Ich will nur hinweisen auf die stattlichen Taxodien, die herrlichen Birkentuffs, Platanen und Quercus sessiliflora und pedunculata (hier ausgesprochen pyramidenfoermig gebaut), echte Quercus coccinea und riesenstarke fastigiata. Ich schätze, daß im eigentlichen Park mindestens 10-12000 Exemplare der Gattung Quercus in starker Entwicklung vorhanden sind.

 Zwei wunderbare Eichen, über 150 Jahre alt, stehen dicht nebeneinander auf weiter Wiesenfläche, an schmalem Pfade. Das Gefühl des Geborgenseins unter so altehrwürdigen Riesen ist ein eigenartiges. Pflanzenphysiognomische und Landschaftsstudien sind hier besser denn an anderen Orten zu machen. Große Gruppen nur einer Art sind mit solchen anderer Arten von ganz verschiedenem Gepräge gepaart und zu malerischen Bildern zusammengestellt. Mächtige Bruchweiden bilden mit ihrem gewoelbten Kronenbau einen auffallenden Gegensatz zu den bizarren Kronen riesiger Pinus Strobus, die sich im Alter so exakt etagenweise absetzen. Dann sehen wir wieder dieselben Weiden mit dunklen Erlenkronen zusammengeführt, darunter die Pferdekoppeln des großen Rennstalls mit munter springenden Füllen auf üppiger Wiese an der Seite der edlen Muttertiere. Wunderbare Quercus palustris mit ihrem gerade aufstrebenden Stamm und dem streng rechtwinkeligen Astbau sind hier, in Einzelstellung und zu Gruppen geschickt zusammengefügt, so recht ihre Existenzbedingungen findend, vor den dunkleren Waldsaum gestellt, aus welchem das Wild munter aus- und einwechselt. Eine 200jährige Carpinus präsentiert sich in ihrer ganzen Schoenheit und Würde am Wegesaume.

 Die Zweistellung von Schaupflanzen, die als besonders schwierig bei allen Landschaften gilt, war eine Spezialität von Sallmanns Vater; sie ist hier immer mustergültig gelungen. Wieder begegnen wir einer beachtenswerten und malerisch wirksamen Gehoelzzusammenstellung: Einige schon sehr alte Bruchweiden, daneben ehrwürdige Taxodien in üppigster Entwickelung und in verschiedenen Altersstufen, düstere Weymouthskiefern, auch sehr groß, auf weitem, lichtem Wiesenplane, davor gelbe und rote Blütensträucher gelagert, denen einige prächtige Quercus atropurpurea zugesellt sind ; ein eigenartiges Stimmungsbild. Lange Schneisen lassen zuweilen den imposanten Schloßbau und die Umgebung in wechselnden Bildern in Erscheinung treten. Da, ein ganz anderes Bild, man vermutet es nicht auf der Wanderung: Wir treten aus einer Lichtung, und vor uns liegt ein schilfbewachsener Weiher, in welchen eine alte Mühle mit rotschwarzem Holzwerk, am Giebel von mächtigen Weiden beschattet, malerisch hineingebaut ist. Eine landschaftlich, natürlich wirkende Szenerie, wie ich sie mir nicht schoener denken kann. Sehen wir näher zu, so merken wir bald, daß in der Mühle auch Korn gemahlen wird; sie geht und klappert schon lange, lange Jahre und soll mir zu späteren Berichten einen willkommenen Anknüpfungspunkt bieten, da sie die Geburtsstätt eines bekannten und langbewährten Fachkollegen ist, der auch bei Sallmann und seinem Vater die ersten Grundlagen seines Wissens empfangen hat, und sich jederzeit der Stätte, da einst seine Wiege stand, dankbar erinnert.

An bevorzugten Stellen des Parkes treffen wir von seltenen Gehoelzen an freistellenden, gut, teils mächtig entwickelten Exemplaren: Liquidambar stgraciflua, Juniperus virginiana (männlich), Magnolia acuminata, Pierocarya caucasica, Abies Veitchii (im Rosengarten), Abbildung Seite 201, das drittstärkste Exemplar in Deutschland; ferner sehr starke Liriodendron Tulipifera, Platanus acerifolia (nach Feststellung der dendrologischen Gesellschaft), Taxodium distichum (schon mehrfach erwähnt), Picea sitkaensis, die Sallmann aus Samen gezogen hat; sie sind in einer Reihe Spielarten gefallen. Eine sehr hohe und schmal interessanter gebaute Tilia (ulmifolia) parvifolia fällt am Schloß besonders auf.

 Ueber die Herbstfärbung brauche ich dem Fachmann bei der Fülle des Materials nichts zu erzählen, man muß diese Pracht gesehen haben.

 In einem schmucken und tadellos gepflegten Rosengarten mit vielen Sorten bietet sich auf mit Rankrosen umwebtem Ruheplatz vor dem großen Gewächshause Gelegenheit zur Rast, um alles Gesehene zu überdenken und fester einzuprägen, bis wir, an der Neige des Tages, der freundlichen Aufforderung unseres unermüdlichen und liebenswürdigen Führers Folge leisten, in sein gastliches, schlichtes Heim einzutreten, um uns an Speise und Trank, von der zarten Hand seiner anmutigen Toechter gebeten, zu laben. Sallmann hat nach langer, glücklicher Ehe seine Gattin bereits vor Jahren durch den Tod verloren. Rastlose Arbeit hat ihm geholfen, auch diesen Schmerz und alle Sorgen des irdischen Lebens zu überwinden und zu vergessen. Sein einziger Sohn ist dem Beruf des Vaters treu geblieben und wirkt als staatlich diplomierter Gartenmeister im Dienst der Stadt Breslau. Seine Toechter gehen ebenfalls ihren Berufen nach, während eine von ihnen dem häuslichen Herd vorsteht.

 Sollte Sallmann einmal persoenlich und mit den Erzeugnissen seiner Kunst an die Oeffentlichkeit treten, so war dazu seitens der Kollegen viel Drängen und Zureden noetig. Eine vornehme, aber allzu große Bescheidenheit ist eine große Zierde seines so lauteren, dabei aber entschiedenen Charakters. Wenn es galt, die Interessen seiner Herrschaft zu vertreten, dann konnte Sallmann auch rauhbeinig werden, so daß man Einwendungen kaum noch wagte. Er war in seinem Hause ein treuer Gatte, seinen Kindern ein strenger und doch gütiger Vater, seinen Untergebenen und Lehrlingen ein strenger, aber gerechter Chef, ein Gärtner vom Scheitel bis zur Sohle. Er ist ein Mann von echtem Schrot und Korn. Vom groeßten Teil seiner Freunde, die schon fast alle der kühle Rasen deckt, getrennt, hat er so lange Jahre der gräflichen Familie treu gedient, welcher die Fachwelt mit Sallmann dankbar dafür ist, daß sie der Perle Tillowitz den Glanz zu bewahren gewußt hat. Wir haben die Gewißheit, daß das Werk seinen Schoepfer noch viele Jahre überdauern wird.

 Unserem lieben Sallmann aber wünschen wir zu seinem, am 1. Oktober dieses Jahres bevorstehenden goldenen Gärtnerjubiläum und danach noch auf viele Jahre hinaus von ganzem Herzen die alte Rüstigkeit und Frische. Wer jedoch in diesem Jahre nach Breslau kommt und auch schlesische Parks besuchen will, vergesse nicht, sich Tillowitz anzusehen, es wird sich lohnen.

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Nachruf:


Gräflicher Gartenbaudirektor Maximilian Sallmann

Am 15. 5.1920 ist, wie bereits in Nr. 22 kurz gemeldet wurde in Saarau (Kreta Schweidnitz) der Gräfliche Gartenbaudirektor Maximillian Sallmann gestorben. Mit seinem Tode hat die "Gartenwelt" den Verlust eines ihrer wertvollsten Mitarbeiter zu beklagen, der viele Jahre hindurch unermüdlich bestrebt war, den gärtnerischen Nachwuchs von seinem reichen Wissen mitzuteilen. Der Verstorbene wurde am 30. Juli 1846 in Tillowitz geboren.

Sein Vater, Curt Sallmann, legte den Grund zu den bekannten Tillowitzer Parkanlagen, die er in regster Tätigkeit verwaltete, bis sein Sohn in der Lage war, an seine Stelle zu treten. Dieser trat am 1. Oktober 1860 bei seinem Vater in die Lehre und arbeitete später längere Jahre in Muskau und Großstrelitz. Mit dem 6. Jägerbataillon rückte er 1870 ins Feld, und als er 1871 mit den siegreichen Truppen heimgekehrt war, übernahm er sofort die Leitung sämtlicher Anlagen, die schon damals im Besitze der Grafenfamilie von Frankenberg waren. Bis in sein hohes Alter war es ihm vergoennt, das Erbe seines Vaters zu verwalten. Die Anlagen nahmen sehr bald einen mächtigen Aufschwung. Große Gewächshäuser wurden errichtet, der Park nahm nach und nach einen immer groeßeren Umfang an und rückte sehr bald in die Reihen der kostbarsten Perlen deutscher Gartenkunst. In Nr. 15 des Jahrganges 1913 der "Gartenwelt" hat die Tätigkeit Sallmanns eingehende Würdigung gefunden, so daß ich mich auf einige wenige Angaben beschränken kann. Sein unermüdlicher Fleiß fand vielseitige Anerkennung. Seine Früchte, Blumen und sonstigen Produkte erhielten auf den verschiedensten Ausstellungen hervorragende Auszeichnungen. Oft bedurfte es viel Drängens und
Zuredens, um ihn zu veranlassen, mit seinen Leistungen an die Öffentlichkeit zu treten. Dieser vornehmen, aber fast allzu großen Bescheidenheit, die den Hauptzug seines Charakters darstellte, ist auch zuzuschreiben daß er erst in hohem Alter zu bewegen war, seine überreichen Erfahrungen und Kenntnisse den jüngeren Kollegen zur Verfügung zu stellen. Zu Beginn des Jahres 1912 trat Sallmann in den wohlverdienten Ruhestand. In Anerkennung seiner fast 50 jährigen, treuen Dienste, hatte ihm sein letzter Herr in unmittelbarer Nähe der Anlagen ein trautes Heim bereitet. Am 1. Oktober 1913 feierte er sein 50jähriges Gärtnerjubiläum, und im Jahre 1915 ernannte ihn sein langjähriger Brotgeber in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen im Gartenbau zum Gräfl. Gartenbaudirektor.

 Den Lesern der "Gartenwelt- war Sallmann durch seine in fast ununterbrochener Folge gebrachten gehaltvollen Artikel ans Herz gewachsen. Ich persoenlich hatte das Glück, durch einen regelmäßigen Briefwechsel seine wertvolle Freundschaft zu genießen, die ich sehr bald durch einen Besuch zu festigen hoffte. Noch wenige Tage vor seinem Tode übersandte er mir eine Reihe von Manuskripten, die erst zum Teil zur Veroeffentlichung gelangen konnten.
Seinem Wunsche, ihm für eine Ehrung seines um den deutschen Gartenbau verdienten Herrn einige Zeilen zu gewähren, hatte ich gern entsprochen. Meine Antwort sollte ihn jedoch nur noch auf dem Sterbebett erreichen.

Ein Mann von echtem Schrot und Korn und ein Fachmann von bestem Rufe ist in Sallmann von uns geschieden. Die Tillowitzer Anlagen werden noch ferneren Geschlechtern von seinen Werken erzählen und als Vorbild deutscher Arbeit und deutschen Wesens Segen verbreiten.
Sein Name ist dem deutschen Gartenbau erhalten geblieben in einem einzigen Sohne, der im Dienste der Stadt Kattowitz den Fußstapfen seinen Vaters folgt.

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